All along the hurricane with Newsha Tavakolian

Fotojournalism combined with the urge to tell a story, which does not end today but it ends with the saying, if you do not make something out of your life – it is truly your own fault. If you do something, everything else will follow, maybe even stopping hurricanes.

But to start with old pictures, black-and-white on glass are shown. Over a 100 years old and showing a variety of people: young, adults, elders, men on horses with muskets and wearing mustaches thick as horse fur, and women topping their heads with strangely looking hats. There is no smile nor fear nor agony in their faces, just simply the expression of living a humble life. An ancient Persian world where proud people are staring into the camera and no hurricane in sight. Everything seems peaceful on the outside, and…

… generations pass and years turn into decades. Young Newsha receives her first camera, a Minolta 2000 with a 50 mm lens with the consequence that you have to stand close-by when things are happening – within the crowed, nearby warriors when they shoot and die, nearby everything. Her earlier pictures are a lovely homage to trial and error as she said about herself. “I was not good but I was learning and I got a chance to make crappy pictures which had been published. Not every young girl got that chance.” Newsha gets older, gets more assignments, and…

… again pictures are shown with mothers and their martyr sons, aging mothers and their still young sons but clear similarities. Eyes tell a story, a life story. A mother looking for her son, a son taken away from his future. And eyes start to speak to you, why why why….and…

… here we are in the middle of a hurricane with wars and isolation and a culture at the turning point, where women are still not allowed to sing solo in public, where young girls at the age of 9 are turned into woman, starting to wear the Hijab and learn to pray. For them the very safety magic of childhood ends at that moment and something else takes over. Religion and regime, the double Rs of cruelty in modern times are still not vanished. They simply occupy peoples life. And not to a certain extend, yet to every extend. And how strange it must feel to link politics with your daily life. What difference does that make? When politics are good, your life is good, when politics are bad, agony and misery kicks in. What is left? Protests? Silent protests? Violent protests? Supporters on both sides? Still there is an ongoing hurricane all over the country. How to tame a hurricane? Hope? Surely not.

Hope can be taken away in loosing the license to make pictures, to publish, to speak out lout, to express yourself in public. That kind of hope, your day-to-day-hope, not only to survive but to do something – if you fail, so what?, But you are still in the hurricane, remember?

Stopping it can only be done by stopping the imbalance which created hurricanes. Some people say, everything balances over time. Who wants to wait a lifetime for things to pass by? Newshas photojournalism combined with the urge to tell a story pauses the moment to see its full size and devastating effects, but it does not make it go away. But again, as she says boldly: You have to do something and if not, it is your own fault, and maybe, eventually, everything gets balanced…

Sidi Ifni Inc. – “Prolog” / “Ely Marrony”

Artikel aus der New York Times, Juni 2011

Die Sonne einzufangen ist keine europäische Erfindung. Aber Europa mit Strom aus der Wüste Nordafrikas und dem mittleren Osten zu versorgen ist schon eine wichtige (Er)findung. Das Project Desertec zu nennen ist nur konsequent zu Ende gedacht. Sollte alles nach Plan gehen, dann wird Europa ab 2030 seinen Stromhunger zu 15% aus der eingefangenen Sonne seiner südlichen Nachbarn zu decken wissen. Über 30 renommierte Wissenschaftler haben seit den 1980iger Jahren an diesem ambitionierten Plan gearbeitet. Ihre Idee ist auf den ersten Blick sehr einfach: die Wüsten der Erde bieten eine schier unerschöpfliche Quelle für Energie, und sie (die Sonne) schickt keine Rechnung! Einfangen, umwandeln und über Stromleitungen nach Europa schicken. Klingt einfach! Könnte einfach sein, sollte doch einfach sein!

Bleiben wir bei den ambitionierten 15% Versorgungssicherheit (für Europa) für einen Moment. Nach einer Studie der Weltbank würden – über 2020 hinaus – alle Desertec-Komponenten aus Europa nach Nord-Afrika importiert werden. Zusammenbau, Aufstellung als auch Betrieb der Anlagen würde bis zu 100 000 Arbeitsplätze erzeugen. Desertec sorgt für lokalen Aufschwung, die Schaffung von Arbeitsplätzen und Infrastruktur. Ab spätestens 2030 würden alle wichtigen Komponente vor Ort produziert werden. So der Plan.

Und so auch in Marokko, dem wohl stabilsten Königreich in Nord-Afrika. Mohammed VI ist seit 1999 bestrebt sich dem europäischen Markt zu öffen. Erfolgreich wie es scheint. Ab 2013 wird in Quarzarzate, im Süden Marokkos, ein 500 MW Solar-Testanlage im Zusammenhang mit Desertec finanziert und gebaut.

Sollte die Anlage zufriedenstellend laufen und Strom aus der Sonne produzieren, wird ein weitreichendes Netz an Solaranlagen in Marokko ab 2020 installiert. Europäische Kunden bekommen weiterhein ihren Strom aus der Steckdose und die Rechnung vom Anbieter. Vielleicht aber erscheint auch das Logo einer Wüste mit lächelnder Sonne in zukünftigen Rechnungen, und Kunden werden daran erinnert, dass ein Teil ihrer täglichen Stromversorgung aus eben diesen menschenleeren Regionen nach Europa kommt.

Nochmal. Was ist Desertec? Nichts weniger als eine Vision: Strom wird in strukturschwachen aber sonnen reichen Regionen produziert und nach Europa transportiert, wo Energie jederzeit benötigt wird, Kohle und Kernkraft aber nicht mehr zeitgenössisch sind, um den Energiebedarf zu decken. Dazu kommt erschwerend, dass viele Europäer beiden Energieträger als Dinosaurier-Technologie abtun – und wir alle wissen, wie es mit den Dinos ausging. Und darauf aufbauend will niemand. Also doch Stromprojekt für Europa? Ja, aber es sollte immer davon ausgegangen werden, dass alle beteiligten Länder in Nordafrika davon profitieren können. Von Projekt zu Projekt wird die lokale Wertschöpfung gesteigert und somit neue Arbeitsplätze und weniger Abhängigkeiten geschaffen.

Und was bedeutet Desertec für Investoren und Anleger? Gemäß der Weltbank sind geschätzte 566 Milliarden USD (400 Milliarden EUR) für das 40-jährige Vorhaben vorgesehen. Der Unterschied zu traditionellen Großinvestitionen ist dabei, dass Desertec nicht heute anfängt und in 40 Jahren aufhört. Es geht vielmehr darum, eine nachhaltige Entwicklung in Gang zu setzen.

Sidi Ifni Inc. – Kapitel 1 “Ely Marrony”

Für Amerikaner scheint Europa weit weg, Marokko aber um so mehr, dabei liegt es vor der südlichen Haustür Europas, nur durch das Mittelmeer getrennt. Ely bemerkete, dass ihre Lippen immer noch an der angesetzten Kaffeetasse hingen, sie aber nichts getrunken hatte. Der Artikel faszinierte sie. Wüstenstrom nach Europa, Marokko, König Mohammed VI, der Name Desertec – Worte wie geschaffen, um sich ein großes Scheitern vorzustellen, aber, eben auch, eine große Chance, etwas neues. Und wer weiß, dachte sie sich, 40 Jahre sind eine lange Zeit, zu lange, um Chancen scheitern zu lassen. Sie nahm einen großen Schluck schwarzen Kaffees, verdammt schon kalt, dachte sie sich, und stelle die Tasse neben den  Rechner. Ein schwarzer Rest blieb am Boden der Tasse zurück und hatte etwas öliges. So wie im richtigen Leben, sagte sie laut und musste lachen. Wir leben von den Resten des einstigen Ölzeitalters, Öl als Schmiermittel des amerikanischen Traum. Grenzenlos, ja, es war egal, wo das Öl herkam. Grenzenlos, für einige ging es stetig nach oben. Grenzenlos auch der damit angehäufte Reichtum. Grenzenlos, unsere Armee nimmt Grenzen nicht mehr so wichtig. Interessen mussten verteidigt werden, Reichtum musste vermehrt werden, Wachstum musste grenzenlos erscheinen. Der amerikanische Traum.  Für einen Moment pendelten ihre Augen zwischen der wohlformulierten Sonnenvision, schwarz-auf-weiss stand es vor ihr, und dem öligen Rest in der Tasse. Abhängig waren wir alle, dachte sie sich, egal ob Kaffee, Öl oder der Hang zu Visionen.

Ihr Fon vibrierte, ihre Mutter rief an.

„Hallo Betty“ sagte sie.

„Hier ist deine Mutter Ely!“ kam die forsche Richtigstellung zurück.

„Was gibt es Mutter“, Ely wolle schnell zurück zum amerikanischen Traum, wo Praxisnähe von Gleichungen und den damit verbundenen Lösungen alle Problme zu lösen schienen; und diese Sache mit Desertec ging ihr einfach nicht aus dem Kopf. Aber jetzt ihre Mutter am Fon…

„Ely, darling, was machst du heute abend? Schon Pläne?“ Ihre Mutter ließ keine Zweifel aufkommen, dass sie nach Elys zweiter Scheidung als allwissende Dating-Maschine ihre Rolle gefunden hatte. Sie kannte jeden in Portland. Und jeder, fast jeder, kannte sie, seitdem dem Vorfall von 1971 – aber das ist ja auch mittlerweile über 40 Jahre her. Sie wollte sich nicht damit abfinden, dass Ely genug hatte von Männern: zwei kaputte Ehen und immer noch keine Kinder. Da ging doch noch was, dachte sie sich. Und gleich im Anschluss „Es gibt eine Ausstellung über das Folk der Fulas, Jean-Luc hat neue Bilder aus Marokko mitgebracht und stellt sie jetzt aus. Heute abend gegen 6? Wie sieht es aus Schatz?“

Welche Wahl habe ich, dachte sich Ely. Ein Nein würde unweigerlich zu weiteren, immer den gleichen, Fragen führen – nach dem warum und wieso, und vor allem, wieso denn nicht! „Wo stellt er denn aus?“ fragte sie schließlich.

„Im Van Reybrouck. Ist wohl etwas größeres. Jean-Luc hat keine Mühen gescheut. Du kennst ihn ja. Und er war 3 Monate in Marokko unterwegs um an die Bilder zu kommen.“

„Marokko? Aber die Fulas kommen doch aus Mali?“

„Er hat dort diesen Maler kennengelernt in dieser Oase, wie hieß der Ort nochmal?…auch nicht so wichtig. Jedenfalls, dieser Belgier hat bei den Fulas gelebt und über sie gemalt. Das könnte dich interessieren.“

Wohl eher die anwesenden Männer, dachte sich Ely. Aber ihre Mutter hatte Recht. Es klang spannend, zumal Marokko…

„Kann ich dich zurückrufen, Mutter? Und ja, ich ich werde heute abend dort sein, versprochen. Ok?“ Elys Aufmerksamkeit war wieder ganz auf den Artikel gelenkt und das einseitig dominierte Kurzpassspiel mit ihrer Mutter konnte sie jetzt nicht gebrauchen. Aber das sie Marokko erwähnte!  „Good timing, Ma.“, dachte sie sich.

Sidi Ifni Inc. – Prolog “Desertec”

Artikel aus der New York Times, Juni 2011

Die Sonne einzufangen ist keine europäische Erfindung. Aber Europa mit Strom aus der Wüste Nordafrikas und dem mittleren Osten zu versorgen ist schon eine wichtige (Er)findung. Das Project Desertec zu nennen ist nur konsequent zu Ende gedacht. Sollte alles nach Plan gehen, dann wird Europa ab 2030 seinen Stromhunger zu 15% aus der eingefangenen Sonne seiner südlichen Nachbarn zu decken wissen. Über 30 renommierte Wissenschaftler haben seit den 1980iger Jahren an diesem ambitionierten Plan gearbeitet. Ihre Idee ist auf den ersten Blick sehr einfach: die Wüsten der Erde bieten eine schier unerschöpfliche Quelle für Energie, und sie (die Sonne) schickt keine Rechnung! Einfangen, umwandeln und über Stromleitungen nach Europa schicken. Klingt einfach! Könnte einfach sein, sollte doch einfach sein!

Bleiben wir bei den ambitionierten 15% Versorgungssicherheit (für Europa) für einen Moment. Nach einer Studie der Weltbank würden – über 2020 hinaus – alle Desertec-Komponenten aus Europa nach Nord-Afrika importiert werden. Zusammenbau, Aufstellung als auch Betrieb der Anlagen würde bis zu 100 000 Arbeitsplätze erzeugen. Desertec sorgt für lokalen Aufschwung, die Schaffung von Arbeitsplätzen und Infrastruktur. Ab spätestens 2030 würden alle wichtigen Komponente vor Ort produziert werden. So der Plan.

Und so auch in Marokko, dem wohl stabilsten Königreich in Nord-Afrika. Mohammed VI ist seit 1999 bestrebt sich dem europäischen Markt zu öffen. Erfolgreich wie es scheint. Ab 2013 wird in Quarzarzate, im Süden Marokkos, ein 500 MW Solar-Testanlage im Zusammenhang mit Desertec finanziert und gebaut.

Sollte die Anlage zufriedenstellend laufen und Strom aus der Sonne produzieren, wird ein weitreichendes Netz an Solaranlagen in Marokko ab 2020 installiert. Europäische Kunden bekommen weiterhein ihren Strom aus der Steckdose und die Rechnung vom Anbieter. Vielleicht aber erscheint auch das Logo einer Wüste mit lächelnder Sonne in zukünftigen Rechnungen, und Kunden werden daran erinnert, dass ein Teil ihrer täglichen Stromversorgung aus eben diesen menschenleeren Regionen nach Europa kommt.

Nochmal. Was ist Desertec? Nichts weniger als eine Vision: Strom wird in strukturschwachen aber sonnen reichen Regionen produziert und nach Europa transportiert, wo Energie jederzeit benötigt wird, Kohle und Kernkraft aber nicht mehr zeitgenössisch sind, um den Energiebedarf zu decken. Dazu kommt erschwerend, dass viele Europäer beiden Energieträger als Dinosaurier-Technologie abtun – und wir alle wissen, wie es mit den Dinos ausging. Und darauf aufbauend will niemand. Also doch Stromprojekt für Europa? Ja, aber es sollte immer davon ausgegangen werden, dass alle beteiligten Länder in Nordafrika davon profitieren können. Von Projekt zu Projekt wird die lokale Wertschöpfung gesteigert und somit neue Arbeitsplätze und weniger Abhängigkeiten geschaffen.

Und was bedeutet Desertec für Investoren und Anleger? Gemäß der Weltbank sind geschätzte 566 Milliarden USD (400 Milliarden EUR) für das 40-jährige Vorhaben vorgesehen. Der Unterschied zu traditionellen Großinvestitionen ist dabei, dass Desertec nicht heute anfängt und in 40 Jahren aufhört. Es geht vielmehr darum, eine nachhaltige Entwicklung in Gang zu setzen.

A little bit of everything, at any time…Marrakech

Do I recommend to spend some precious time in one single town? Yes, I would! Do not misunderstand me, I love mountains, the endless plains, even more water, shores and beaches. But towns I love too. And ancient towns are special. Somehow they are able to blend their heritage with modern tourism without loosing their identity. It always starts where to stay and what to pay, isn’t it? Well, stay within the Medina, the ancient part, the old native residential district of a any North African city. The Medina provides you with everything, little by little, at any time. Talking food, shopping, nightlife, cafes, hammans, coiffeurs, repair shops, street sellers and street hustlers, wise men and dumb men, story- and fortune tellers (your fortune?). But where to stay? Many places are good to start with, but the area called Riad Zitoune El Jdide, located South East from the (in)famous Djemaa el Fna, is recommendable. Riads and Dars(houses) are plentiful and top class. Excellent services provided and, if you are lucky and throw questions to the employers (the Hassans and Mohammeds and Abdullahs), you easily get insight information about the colourful story regarding Marrakech and Morocco. Open your eyes and wonder! And there is a lot to wonder. And there is always the name of one  man sticking around, a ghost from the past, an ancient warlord and Pasha (turkish for big), big  man than? No I do not mean Allah, certainly not. He is always around, not only in Marrakech. But the man I am referring to is Pasha Thamid el Glaoui, a vicious and brutal ruler of Marrakech until the 1950ies. Define fortune? Somebody rich? True, but this man was outstandingly rich and powerful. Within Marrakech the saying goes what Pasha Glaoui once saw belongs to 100% to him, and what he did not see, to 50%. Just imagine now, you cannot have your eyes everywhere but you always have a 50% share in everything, and that is not a little, by far not. His hunger for women was even bigger than his hunger for fortune. People do not refer to numbers anymore, they just mention that the Pasha saw somebody, pointed towards her and she was gone, never seen again in her village, house, where ever she belongs to.  What he once saw belongs to 100% to the Pasha. Unimaginable! Everything at any time!

A little bit of everything…

… and you may think, really? Is is possible? Coming from the Cold (Norge) and heading straight to the South (Marrakech)  - ancient oasis of Morocco, pearl of the Maghreb, retreat and hide-out, never sleeping lounge for tourists and lovers and seekers and hiders or just a place where time is of no importance – never was. Just a little bit of everything!

A bit of language. The most difficult one, the most confusing one. My french is a bit rusty, so was the car of the taxi driver. And we started some small-talk. How is the weather and that kind of things. To kick-start things a bit more I expressed the extreme temperature differences between Norge and Marrakech.

Nous avons centaine (100) degrés Celsius au nord. Vraiment? Oui, il est assez froide comparé à ici. Tu veux dire cinq (5) degrés Celsius? Oui, je veux dire centaine (100) degrés Celsius. Vraiment? (and so we continued…until five fingers in the air explained the difference in reception of cold/warm)

You can image the man was more than shocked hearing up North a hundred (100) degress celsius is rather cold compared to thirty (30) down here.  A big difference between centaine (100) and cinc (5).  But often confusion paves the way to sharing information, at least the taxi driver started to explain in detail bits and pieces of Marrakech in french, where to go, why to go the that casino, or to this casino, and the casino over there.  The man has a hobby, for sure! But does he has the money for it? Do not think so.  Only a little bit…

Barcelona – irgendwo zwischen Super-Gaudi und Churritos

Nach dem dicken B (Berlin) ist Barcelona die wohl hippste Stadt Europas – allzeit dynamisch, vibrierend und ständig den täglichen Spagat aufrechterhaltend zwischen Altem und Neuem. Gaudí, der Meister der organischen, wechselhaften – trotzdem fassungslos zeitlosen – Architektur, dominiert den touristisch geprägten Teil von Barça. Häuserfronten, die dem kindliche Charme einer Spielzeugwelle folgen, erzeugen konstante Spannungen im Auge des Betrachters; den Moment der Ruhe verweigernd. Gaudís komplexer Archiktur-Kosmos ist voller Absurditäten, ein wundervoller Kniefall vor dem einzigartigen – in Gaudís Worten „göttlichen” – Wesen der Natur. Ein Baum hier, ein Ast dort, eine aufgelöste, doch irgendwie innerlich verdrehte Ansammlung von Beobachtungen: gezeichnet auf Papier, voller Erstaunen und Zweifel durch Arbeiter, durch den Einsatz lokaler Baumaterialien, in jahrelanger und mühevoller Arbeit umgesetzt; Super-Gaudí war schon in der Entstehungsphase schwer zu begreifen, und doch wirkt alles so natürlich – geborgt von der Natur und ergänzt.

4. Hüttenseminar im Tann zu Tunhovd – Das Camp 2010

Anno 2010 trafen sich vom 24.06. bis 28.06. Roberto,  Stephano, Don Mikele aus Dresden und Sebas zum letzten Mal im Tann zu Tunhovd, um das Camp 2010 zu leben – ganz im Zeichen der Fussball-WM in Südafrika.

Nigeria-Connection

Es gibt sie in vielen Varianten, vorwiegend im virtuellen Netz; wichtig klingende Namen fragen nach deinem Geld, welches auf ein vorgegebenes Konto überwiesen werden soll, um es später – mit einem Aufschlag -  wiederzubekommen. Beim Bezahlen des Autoparkplatzes in Oslo-Gardermoen mit meiner Kreditkarte gab es die übliche Warteschlange. Vor mir, ein feiner Herr mit negriden Gesichtszügen. Er bezahlte, nahm seine Karte – den Passierschein – und ging. Ich tat ihm gleich, bis eine fast unscheinbare Hand nach meiner Kreditkarte im Automaten griff und mich fragte, ob das nicht seine wäre. Der feine Herr im Zwirn lächelte mich an, sah das TNT in meinem Gesicht explodieren und zog die Hand schnellstmöglich wieder zurück. Ein typischer Fall für das (fast) sichere Auftreten der Nigeria-Connection.

Ein Camp, viele Spiele, ein neu aufgelegter Klassiker von 1966, sommerliche Temperaturen rund um Eisloch (der Fjord), Edelfood und multimediales Nomadentum: ein hochinteressanter Mix, der uns alles, aber auch alles abverlangte. Wir reisten, wieder vollbeladen mit unserem Camp-Wagen, von Oslo-Gardermoen Richtung Nesbyen, um dort im einheimischen Supermarkt Schrimps, Wasser und norwegisches Øl zu kaufen; wichtige Zutaten, um unserer internationalen Küche ein wenig lokalen “Touch” zu geben. Im Supermarkt entdeckte ich eine mir bis dahin gänzlich unbekannte Spezie: der Ølumschichter – ein Mann, im Wahn die perlige Suppe  zu bändigen. Ich fragte ihn, ob er wüßte, wo der Artikel X, also kein Øl, zu finden wäre. Fast lallend, in feinstem Nordnorgisch, kam seine Antwort daher “…er mache nur in Øl, bei den anderen Waren ist er sich nicht sicher.” Klar, oder?

Gegen 17:00 Uhr wurde dann endlich das Camp aufgeschlosssen, ein sofortiger Test des einäugigen Monsters (TV) auf Satellitenempfang – mit Schwerpunkt Sportkanäle -  vorgenommen und auf Fussball getunt. Vini, fini e comuni…und die Spiele liefen. Das Camp 2010 im Tann zu Tunhovd war eröffnet.

Tunhovd - Das Camp 2010 - Eröffnung Tunhovd - Das Camp 2010 - Stephano und die Leinwand

1. Spieltag, Donnerstag

Am späten Nachmittag kündigte sich die zweite Überraschung in Südafrika ab: Weltmeister Italien verlor sein letztes Gruppenspiel gegen die Slowakei mit 2:3, schied aus und reihte sich damit in die Liga der berühmten aber überbewerten Fussballnationen ein. Les Bleus, die Franzosen, waren schon zwei Tage früher an Südafrika gestolpert und diese Chuzpe wurde national als auch international belächelt, bedauert als auch betrauert. Wie konnte so etwas nur passieren? Das Ausscheiden der Squadra Azzurra – dem Weltmeister von 2006 -  liess dageben nur eine Lächesperre zu, da mit unterirrdisch gespielten Fussball kein Titel zu verteidigen ist.

Tunhovd - Das Camp 2010 - Don Mikele und Sebas Tunhovd - Das Camp 2010 - Roberto beim Boot(en)

Während Don Mikele, Roberto und ich auf der Veranda hähmisch, aber doch nachdenklich über den unrühmlichen Abgang beider Teams nachdachten, ließ Stephano keine Zweifel aufkommen, wie man eine Grille zubereitet. Sorgfälltig wurden alle Zutaten gemischt, auf das Grillrost gelegt, mit Salat, Gurke, Käse und Ketchup dekoriert: Le TunhovdQuarterPounder – ein wahrliches Kraftpaket.

2. Spieltag, Freitag

Tunhovd erwachte – in diesen Nordlagen wird es ja nicht wirklich dunkel -, und die Stadtnomaden bereiteten sich auf den 2. Spieltag im Camp 2010 vor. Mutigen Schrittes wagte sich Roberto als erster in das kühlende (eisige) Nass des Fjordes. So richtiges Beach-Feeling wollte dabei aber nicht aufkommen.

Tunhovd - Das Camp 2010 - Roberto und Sebas am Fjord Tunhovd - Das Camp 2010 - Roberto, Don Mikele und Sebas am Fjord

Der Tag verlief nordisch ruhig – keine Aufregung, keine Termine, nur wenige Telefonate -, Entspannung pur. Kulinarische Wegweiser wurden ebenfalls wieder ausgelegt: ausgenommenene Doraden, mit Rosmarin und Knoblauch gespickt und auf dem Grill zubereitet.

Tunhovd - Das Camp 2010 - Don Mikele an den Doraden Tunhovd - Das Camp 2010 - Roberto und Sebas

Portugal gegen Brasilien (0:0) am Nachmittag. Chile gegen Spanien (1:2) am Abend.

3. Spieltag, Samstag

Uruguay gegen Nord-Korea (2:1) am Nachmittag. USA gegen Ghana (1:2) am Abend.

4. Spieltag, Sonntag: der Klassiker

An diesem Tag stand viel auf dem Spiel, eine Wiederholung des WM-Klassikers von 1966, Deutschland gegen England, welches diesjährig 4:1 für Deutschland endete. Argentinien gegen Mexiko (3:1) am Abend.

Zum Spiel gab es Schweinebraten, zubereitet von Roberto. Kartoffelsalat mit geräucherter Kveite (Heilbutt), zubereitet von Don Mikele.

Bei der schieren Masse an Fussball, sei an dieser Stelle eine fast vollständige Sonette angemerkt, aufgeschrieben von Thomas Gsella:

Wär’ der Ball zehn kleine runde
Scheiben und die elf ein Mann,
und man spielte Stund’ um Stunde,
bis der Gegner nicht mehr kann;

wär’ es klug, je drei der Kleinen
so zu legen, daß der Feind
nicht mehr weiß, wohin mit seinen,
und sein Spiel verloren scheint;

wär’ der Rasen ganz aus Pappe,
und man brauchte Tisch und Stühle:
Dann wär’s nicht Fußball sondern Mühle.

Abfiff, aber die Spiele gehen weiter, so auch die kommenden Hüttenseminare – nur der Tann  zu Tunhovd wird uns nicht mehr zur Verfügung stehen. In 2011 wechseln wir die Lokation und ziehen, in Norge verbleibend,  Richtung Süden.

Tunhovd - Das Camp 2010 - Roberto, Stephano, Don Mikele und Sebas