Die Deutungsmächtigkeit von Namen in Kunst, Literatur und Musik ist allgegenwärtig, so auch im Fall der Familie Marley. Mit Ky-Mani kam der jüngste Spross gestern nach Oslo, um als musical ambassador of the Bob Marley heritage auf der Bühne Präsenz zu zeigen. Mit der unumgänglichen Verspätung im Musikbuiz fing Ky-Mani an. Das Publikum bestand aus einem brodelnden Tumult aus vorwiegend jungen Leuten, Fahnen wurden geschwenkt und Ky-Mani wurde damit immer wieder signalisiert, daß der Name Marley in allen Köpfen eingebrannt ist. Dieser Deutungsmächtigkeit bewußt, ging die Band dazu über die besten Stücke vom Bob zu interpretieren, denn wie heißt es doch so schön: Wer kann, der kann nun mal. Und manche können einfach nicht anders und sollen auch nicht anders. I and I is certainly from Jamaica.
Wenn die Fantasie losspaziert ins Abenteuerland oder sonst wohin, dann ist es durchaus möglich, stehend einem fast 3-stündigen Opernspektaktel aus den hintersten Reihen beizuwohnen. Wie ist es sonst zu erklären, dass sich zwei Handvoll Menschen zum gemeinsamen stand-up-low-budget-happening treffen; normalerweise gleichen Opernbesuche eher einem kontrollierten Tumult aus teuren Karten, feinstem Tuch auf gutsituierten Körpern, Pausenweinen und Networking. Man trifft sich, sieht sich, sucht die bezahlten Plätze auf, setzt ein feines Lächeln in den Pausen auf, differenziert sich hie und da über Einzelleistungen der Schauspieler auf der Bühne, aber legt am Ende doch immer wieder gemeinsame salbige Worte auf: „Eine Vorstellung wie eine Brandungswelle: vorherrschend, kraftvoll, rhythmisch ausbalanciert…“. Stehend dem Stück auf der Bühne zu folgen ist trotzdem anstrengend und führt mitunter zu verschiedenen Taktiken: zum einen kann man die Schärfe und die Farbe herausdrehen und sich nur auf die Musik konzentrieren, weil man Dehnungsübungen ausführt und dabei die Augen schließt; zum anderen dreht man mehr Schärfe rein und versucht Einzelpersonen zu fokussieren. Die Darstellerin der Carmen hatte wunderschöne weiße Zähne, die elfenbeingleich schimmerten. Ein anderes Zigeunermädchen erinnerte mich wiederum an die nette „Türsteherin“, welche uns immer nett auf mögliche freie Plätze bei vorherigen Vorstellung hingewiesen hatte. Wenn die Fantasie losspaziert…
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05.12.2008 – Oslo-Moskau
Wieder auf Tour, was gibt es Neues im Osten?
06.12.2008 – Kunstgaragen und Titty Twister
Aufgewacht in Moskau und ein gutes Gefühl; das wird ein guter Tag. Ich hatte vor Monaten gelesen, dass Roman Abramowitsch als Kunstmäze in Moskau in Erscheinung getreten ist. Auf 8500 m2 ließ er seiner jetzigen Freundin Kunst einkaufen und ausstellen – zeitgenössisch, aber mit internationalem Touch. Genau das richtige für Horst und mich. Doch schon das Auffinden der Adresse im Netz gestaltete sich als äußerst schwierig, aber wir fanden sie. Die Ausstellung sollte in einer alten Busgarage unterbracht sein, direkt am russisch-israelischen Zentrum für Medizin (noch Fragen an dieser Stelle?) Da war sie auch, nur erklärten uns zwei übernächtigte Männer in Uniformen, dass seit Oktober 2008 die Garage kunstfrei sei; Abrami ist wohl das Geld ausgegangen oder Stress mit der Freundin? Etwas verwundert zogen wir weiter. Im Voksal fanden wir Zuflucht, ein Restaurant als Zugstation oder Zugstation als Restaurant. Das Personal hatte ebenfalls Schaffneruniformen an. Russische Küche kann sehr deftig und bodenständig sein, genau das richtige wenn es draußen ungemütlich ist. Wie in allen Restaurants und öffentlichen geschlossenen Stätten Moskaus sind die Raumtemperaturen kaum zu ertragen, immer 5 Grad über dem angenehmen. Schon beim Eintreten ins Voksal muss man durch einen Raum, der förmlich vor Hitze brüllt, ein sehr lautes Brüllen. Der Raum war leer, keine Heizelemente an den Wänden oder Decken, nur ein kleiner Geldautomat in der Ecke. War das nur ein Geldautomat oder strahlt da noch was anderes?
Unser eigentliches Ziel war das Bolschoitheater, wo eine Ballettaufführung stattfinden sollte, Horst hatte Karten besorgt für eine gekürzte Fassung von Carmen in freier und sehr wilder Inszenierung, sowie ein kleines Stück zur Musik von Chopin. Das kleine Bolschoi wurde 2004 fertig gestellt aber das Design wurde auf die letzte Jahrhundertwende ausgelegt. Prachtvoll aber nicht kitschig, edel aber nicht pompös, klassisch aber nicht überladen, was für ein Laden. Beide Inszenierungen waren ein Fest für die Sinne; Kunst können die Russen wirklich. Nur in den Pause, im untersten Stockwerk, wo die Toiletten waren, spielten sich Szenen ab, die Tränen erzeugten: ein paffender Kunstmob, der eine schwere Wand aus Tabakrauch produzierte und einem die Sicht auf die wartenden russischen Schönheiten vor dem Damenklo nahm.
Mit leichtem Herzen verließen wir diese großartigen Aufführungen und zogen weiter in den Club Che Guevara, wo Horsts Kollegen schon am Feiern waren. Das Che ist für mich der Inbegriff des russischen Titty Twister: die Bar unter den Bars. Ein Laden, der mit dem revolutionären Charme von Che, Fidel und Cienfuegos aufwartet und ein Stück Lateinamerika nach Moskau bringt. Selbst der Sänger der Liveband erinnerte mich stark an den Frontmann von Tito & Tarrantula, welcher im originalen (mexikanischen) Titty Twister die Massen einheizte. Es war voll, wunderschöne Mädchen tanzten stundenlang auf dem Tresen, Mojitos, die eher an einen verunglückten Kräutergarten erinnerten. Was soll der große Haufen Minze in meinem Glas? Wo war eigentlich Che? Er kam natürlich nicht, dafür stieg der Anteil der devuschkas von Stunde zu Stunde – eine schöner wie die andere. Ich fiel gegen 5 Uhr morgens aus der Bar und war glücklich. Auf dem Rückweg überlegte ich mir, dass Horst und ich für einige Stunden gefährliche Salsamoves auf der Tanzfläche hingelegt haben – was für eine Familie!
7.12.2008 – Krach im Untergrund
Entspannt fing der Sonntag an. Gegen Abend stand das Musical „Die Schöne und das Biest“ im Mologeschi auf dem Programm. Das Stück hatte Längen, ich verstand nicht viel von den Dialogen und es ging teilweise recht derbe auf der Bühne zu. Die eigentlichen Höhepunkte waren zum einen die live eingespielte Orchestermusik, sowie die resolute Dame, der wir eine Karte vorm Theater verkauften. Eine stolze Russin, Mitte 50ig mit einem seltsamen Fummel an, wo vorne dran der Spruch „Live free“ draufstand. Eigentlich hätte da noch „Rede viel“ hingepasst. Horst erzählte mir später, die Dame hätte ihm ihre komplette Lebensgeschichte mit Anhängen ans Ohr gedrückt, irgendwo zwischen Fürstenwalde, Moskau und der Ukraine. Wir mussten beide schallend lachen, als der einige Zoten in der Metro zum Besten gab.
Die Metro, immer wieder die Metro; rollendes Science Fiction Kino aus einer anderen Zeit, wenn die Züge in die Stationen rein- und rausfahren. Überall Geschichte und Geschichten, Rotarmisten in Bronze gegossen, glückliche Bauern auf dem Feld als Wandfreske aufgestellt, Helden auf hohen Rössern, im Mosaik von der Decke triumphierend.
Das Reden in der Metro, fahrend, fällt schwer. Es herrscht Krach, der fast absurd erscheint. Niemand regt sich auf oder unternimmt etwas dagegen. Entsprechend trübselig sehen teilweise auch die Reisenden aus. Wenn man die Strassenbaumaschine ständig am Ohr hat, kann man auch nicht guter Laune sein, oder? Kopfschütteln bei mir, ein taubes Lächeln von Horst. Kann man Krach überhören oder hört man Krach etwa zu, gibt es Unterschiede im Krach?
8.12.2008 – Moskau-Oslo
Wieder auf Tour, es gab Neues im Osten.
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November 2008, Michi und Sebas fahren und bloggen sich durch Mexico. Folge dem Link:
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Impossibilities are good
Not to attach that label to;
Since, correctly understood,
if we wanted to, we would
be able to be able to (by Piet Hein, Grooks III, 1970)
Glamourama am Tunhovdfjord
Vom 31.07. bis zum 04.08.08 trafen sich alte und neue Freunde zum 2.Hüttenseminar. Dabei waren Sebas, Timo, Roberto, Turbo, Michi und Stephan. Wie immer, alle nachfolgenden in Klammern vorliegenden Texte sind Kommentare von Turbito im Rahmen eines gemischten Doppels.
Die Fahrt zur Hütte wurde auf Donnerstag Vormittag angesetzt, um einen zusätzlichen Tag zu gewinnen. Stephan schlug sein Zelt schon am Mittwoch an der Hütte auf, da er mit seinem Motorrad von Deutschland über Schweden angereist war; er war die ganze Zeit „on the road“. Zu fünft machen wir uns also von Oslo-Gardermoen auf den Weg. [Vor Fahrtantritt wurden die ersten Hülsen gelehrt, schlaucht ja auch ganz schön, so ein 100 Minuten-Flug. Da die Wahl des Gefährtes dieses Mal eine Nummer kleiner ausfiel, war der Ritt zum Fjord nicht ganz so komfortabel wie im Jahr davor ... ein Grund mehr, sich mit den erstaunlich schnell zur Neige gehenden Biereinkäufen die Fahrt etwas angenehmer zu gestalten.]
Strahlender Sonnenschein war unser ständiger Begleiter. Timo hatte sich auch sofort bereit erklärt, Fahreratze für die gesamte Tour zu spielen. Wie immer an dieser Stelle – Respekt, 4 h Fahrt in Norge sind nicht einfach. [Den Dank möchte ich wiederholen, thumbs up ! ]
Natürlich sollten unsere kulinarischen sowie multi-medialen Vorlieben auch dieses Mal nicht zu kurz kommen, so hatte ich in Oslo 3 kg Elch gekauft und einen Projektor von meiner Firma mitgebracht – Glamourama am Fjord, so wollten wir es. Während der Fahrt entwickelten sich Michi, Turbo und Sebas zu echten Biervernichtungsmaschinen. Der Hopfensaft lief in Strömen, [... Wer hätte das gedacht ! So schnell wie die Brühe in den gierigen Schlund lief, hätten wir sie gar nicht nachkaufen können; nächstes Mal muß die Hinfahrt mit in die Planung für die Getränkeliste einbezogen werden.] endlos waren die Gespräche, vielfaches Kopfschütteln beim Fahrer über die Themenauswahl. [Echt, wir hatten wirklich irgendwelche Themen ??? ]
Nur Roberto wurde von Morpheus umarmt und schlief fest an der Schulter von Michi. In Nesbyen angekommen, fuhren wir an den dortigen Einkaufsmarkt heran und kauften Verpflegung für die nächsten Tage. In den Augen meiner Freunde konnte ich das Entsetzen über die hiesigen Preise sehen, ohne daß sie auch nur mit dem Finger darauf zeigten. Nach anfänglichem Zögern wurde der Wagen aber bis oben vollgepackt. Hoch oben auf dem „hohen Wagen“ kamen noch 2 Forellen und 3 kg Schrimps. Sogar beim Bier konnten wir uns einigen – das dänische Tuborg bekam den Vorzug gegenüber den meisten norwegischen „Badreinigern“. [Den Geschmack vom üblichen Norge-Bräu habe ich noch vom letzten Jahr in Erinnerung - auch nach dem dritten Liter ungenießbar ! ]
Roberto war in der Zwischenzeit auch aufgewacht. Unser Auto wurde bis zum Äußersten vollgepackt und wir machten uns auf den Weg, die letzten 30 km bis zur Hütte zu fahren. An der Hütte angekommen, sahen wir schon die “Triumph” von Stephan stehen. Glücklich vereint konnte das 2.Hüttenseminar endlich losgehen. [Nachtlager zuteilen, Gepäck umräumen und nicht zu vergessen: weiteren Raubbau an den Ølreserven zu betreiben - *Schulz !* ]
In den nächsten Tagen sollte unsere Welt einem riesigen Open-Air-Kasino gleichen, das durch vier Gesetze gesteuert wird, die sich Franz Kafka ausgedacht haben könnte:
- Es ist unmöglich, gegen den Wettergott in Norge zu gewinnen.
- Es ist unmöglich, seinen Einsatz zu bewahren, alles muss raus oder rein.
- Es herrscht Spiel- und Redezwang.
- *Schulz !*
Endlich sahen wir auch den Unterschied zum letzten Jahr, wo der Fjord soviel Wasser führte, dass der Strand nicht mehr erkennbar war. [Nun ja, nicht wirklich Strand im herkömmlichen Sinne, also wie in “The beach”, aber doch immerhin knapp 2 Meter grobkieselige Uferfläche ... ein echter Bonus ! Ein weiteres Plus war die Wassertemperatur, die letztes Jahr bei 13°C lag und beim Betreten des Gewässers die magische Grenze auf Höhe des Pillemanns nur zögerlich überwinden lies; letztens dürften es um die 18°C gewesen sein ... also schon weitaus angenehmer und selbst bei bedecktem Himmel noch zum Plantschen einladend.] So saßen wir am Strand, aßen Schrimps auf Brot mit Majonaise und Dill, ließen Getränke rotieren, welche ideal zum Strandleben passten und versuchten, mit kleinen Steinen den Fjord zu füllen, eine wahnwitzige Idee, welche aber mehrere Stunden andauerte.
Der “Hüter des Feuers” machte sich später ans Werk und fing wieder klein an, doch schon bald loderte ein riesiges Feuer vor der Hütte. Schnell wurden auch zwei Bäume ausgemacht, wo die Leinwand für das Waldkino aufgespannt wurde. Ebenfalls, als wenn es genau dafür gebaut wurde, fanden wir eine Möglichkeit, den Projektor zu positionieren, um das perfekte Bild zu erzeugen. Kabel wurden verlegt, Stecker wurden zurechtgeschnitten [Remember: “Strom is unter‘m Tisch !”] Boxen aufgestellt und die Frage nach der Wahl des Filmes ins Spiel gebracht. Einige wagten sich vor und plädierten für die Auferstehung der 60iger Jahre. Andere priesen eine Milieustudie aus dem Raum Würzburg an mit 2 Restaurantbesitzern, welche sich erfolgreich im Buiz behaupten. Diese Auswahl überzeugte alle und so konnte es losgehen – Waldkino am Tunhovdfjord. [Die Idee und deren Ausführung waren echt perfekt ! Da hatte selbst der nordische Wettergott keine Einwände ... ich denke mal, der saß mit auf der Veranda und dachte sich “Habta jut jemacht !” ... zumindest für den nächsten Tag konnte man darauf schließen, denn da zeigte sich der Herr von seiner besten Seite.]
Into the Dojo
Der nächste Tag brachte viel Sonne und wir fanden unseren Weg zum Strand…into the Dojo…unserer Versenkungs-Halle am Fjord… [... Wozu sollte ein Dojo mit Mauern umgeben sein - “Offene Weite, ...”]
Zeit der Erweckung, [... oder doch nur ein genüßliches Abmatten am Ufer ? Irgendwie beides.]
Zeit der Träume, Zeit zum Genießen, Zeit nicht zu verwechseln mit Zeitverschwendung.
[... "Ich wünsche Dir Zeit -
nicht nur so zum Vertreiben.
Ich wünsche, sie möge Dir übrigbleiben
als Zeit für das Staunen
und Zeit für Vertraun' ,
anstatt nach der Zeit
auf der Uhr nur zu schaun."] (Auszug, Autor (mir) unbekannt)
Der Hüter des Feuers konnte die Finger vom Zündeln nicht lassen und die Lohe erwachte schon früh am Morgen und sollte bis zum späten Abend nicht ausgehen. Wie soll man diesen Tag beschreiben? Kann es etwas Schöneres geben, als einen Text zu nehmen, sich an die Musik erinnern und einfach sein, ganz einfach sein mit dem Tag am Fjord…
…denn du spürst das Gras
hier und da bewegt sich was
es macht Dir Spass
nein es ist nicht nur das
denn nach dem öffnen aller Türen
steht am Ende der Trick des Endes
der Suche durch das Finden im Augenblick
Du atmest ein Du atmest aus
dieser Körper ist Dein Haus
darin kennst Du Dich aus
Du lebst
Du bist am Leben
und das wird Dir bewußt
ohne nachzudenken
nur aufgrund der eigenen Lebenslust
das Gefühl das Du fühlst
sagt Dir es ist soweit
es ändern sich Zustand
der Raum und die Zeit
der Verstand kehrt zurück
doch Du setzt ihn nicht ein
jeder Schritt neues Land
wird das immer so sein?
Du spürst die Lebensenergie
die durch Dich durchfließt
das Leben wie noch nie in Harmonie und genießt
es gibt nichts zu verbessern
nichts, was noch besser wär
außer Dir im Jetzt und Hier
und dem Tag am Fjord
und dem Tag am Fjord…(Fantastischen Vier – Der Tag am Meer)
[ ... Sahen einen Vogel in Ufernähe ...
sahen einen Falter umherschwirren ...
sahen, wie sich deren Wege kreuzten ...
sahen die Vereinigung der beiden -
blieben Eins.
Der Vogel wird seine Mahlzeit verdaut haben ...
und WIR ?! ]
Die Auswahl des Filmes für das abendliche Waldkino war nicht schwer. Wir mussten keine Münze werfen, wie es der überzeugende, durchgeknallte Protagonist im Film tat. Falls ihr später in eine Situation kommen solltet, wo Euch jemand in ein Gespräch verwickelt und dann eine Münze zieht und gleichgültig „Call it!“ sagt, dann seid vorsichtig in der Wahl von Kopf oder Zahl. Der Film schreddert und fetzt, es stinkt, strömt, schwallt und ergießt sich, spritzt und penetriert – raus aus der Versenkung. Aufbauend auf dem Buch von Cormac McCarthy lässt sich nur sagen, dass die Grundlage wohl an einem Morgen entstanden sein muss, wo der Autor aus unruhigen Träumen aufwachte, um festzustellen, Franz Kafka zu sein. Das mag schlimm sein, aber große Kunst entsteht dadurch in jedem Fall.
[Ganz böser Streifen, vor allem der Haarschnitt der Hauptfigur bereitete Albträume. Und: werfen wir nicht ständig in Gedanken unsere Münzen, um eine Entscheidung herbeizuführen ? Kopf oder Zahl - linker oder rechter Weg - Mahlzeit verdaut ? ]
Elchtest und White Hawk Down
Der nächste Tag war durchwachsen. Mal regnete es, dann wieder Sonnenschein, dann wieder Regen, noch mehr Regen, wie der norwegische Wetterdienst es angekündigt hatte. Gegen späten Nachmittag war auch das Elchpaket aufgetaut. Mariniert mit Wacholder, Rosmarin, Knoblauch, Lorbeer, Grov-Sennep (der beste Senf kommt wirklich aus Norge) und den anderen “üblichen Verdächtigen” wurde das Paket in mehrere Lagen Alufolie eingewickelt und der Glut übergeben. Zwischenzeitlich kamen Michi und Timo vom Einkauf wieder, es musste mehr Øl und Wasser herangeschafft werden. Des Weiteren erstand Timo seinen ersten Heli, komplett ferngesteuert, ganz in Weiß – Männerspielzeug im Tann. So wurde die Terrasse kurzum in eine Start-und Landezone umfunktioniert, von der aus der “White Hawk” zu Erkundungsflügen in das umliegende Feindesland aufbrach, vielmehr aufbrechen sollte, denn es geschah alles ganz anders. Der “White Hawk” hob von der Terrasse ab und steuerte ziellos umher. Nach wenigen Minuten geschah das Unerwartete: White Hawk down, White Hawk down, I repeat White Hawk Down !!! Die mangelnde Erfahrung des Piloten mit seinem neuen Fluggerät lies den Heli in sein Verderben stürzen, direkt ins Zentrum des von von ihm am Lodern gehaltenen Feuers.
Die schnelle Eingreiftruppe konnte Schlimmeres verhindern und so wurde aus dem weißen Falken ein angebrannter Falke, der aber immer noch flog, etwas mehr „Trimming“ war aber schon nötig.
Stephan kam nach zwei Stunden vom angeln, oder eher warten, in voller Motorradmontur, vom Fjord wieder. Wieder nichts gefangen, wie auch, denn so klar das Wasser auch ist, Leben scheint sich nur oberhalb des Fjords abzuspielen. Ein Angler mehr, der sich überzeugen lassen mußte, daß es sich beim Tunhovdfjord um das toteste Gewässer jenseits des Polarkreises handelt.
Nach knapp drei Stunden mit aufwendigen „heißen“ Wendemanövern war es soweit, der Elch konnte getestet werden; serviert mit Rosmarin-Kartoffeln, Preiselbeeren und Salat wurde die Küche zum Viel-Sterne Restaurant erklärt. Alles war arrangiert, alles war da, die kurzzeitige Stille am Tisch (über)zeugte vom großen Geschmack des Wildes. Wir waren uns einig, dass low-budget cooking etwas ganz Wunderbares ist.
Strandglamourama
Wetter wie aus dem Bilderbuch vom Herbst; Regen, Regen und ein wenig Regen … hin und wieder kurz die Sonne. Nachdem der Regen am Nachmittag gänzlich nachließ, machten wir eine kleine Wanderung entlang der Westseite des Fjordes. Überall waren Spuren vom letztjährigen Hochwasser zu sehen, abgeknickte Bäume, angeschwemmtes Treibgut, weggerissene Ufer. [Das hatte schon was Urtümliches, Wildes an sich, ganz wie es sich für einen Flecken Natur gehört, der noch nicht begradigt, umzäunt und betoniert wurde ... wahrhaft schönes Nordland !]
Dann sahen wir ihn, den Ausweichdrehort für den Film „The Beach“, idyllisch gelegen am Tunhovdfjord. Nach unbestätigten und sehr inoffiziellen Berichten zufolge, sollte hier gedreht werden, falls es Probleme in Thailand geben sollte. Was für Probleme eigentlich? Aber wie gesagt, alles sehr inoffiziell. Vielleicht wird ja irgendwann der Nachfolger mit dem Titel “Call it ! – To the beach ?“ hier abgedreht. [Ja, da lag er nun vor uns, der “Strand” , unberührt, ohne Liegestühle und die platzhaltenden Handtücher sonnenhungriger Touristen ... ein echtes Kleinod.
Aber auch in dessen Nähe waren bereits Spuren menschlicher Eingriffe zu sehen... wahrscheinlich signalisieren diese Kerben dem schriftunkundigen Wanderer, er ist nur noch 2 Schritte vom Paradies entfernt. .... Oder hatte sich da ein Angler die Zeit vertrieben ? - “Ich reib’ mir jetzt die Fingernägel solange an dem Stein, bis einer anbeißt !” ]
Stephan zeigte sich auch von seiner besten Seite, um als Geheimtipp für die Besetzung gehandelt zu werden. [Also wenn das mal nicht das Ebenbild eines echten Nordmannes ist ! Schon deshalb keine Diskussionen über die Vergabe der Hauptrolle.]
Der Rest der Crew war noch sehr skeptisch über den Drehort. Michi machten die Größe der Kieselsteine Sorgen, Roberto und Sebas gingen jeder für sich in Gedanken das Drehbuch durch, Turbo scannte den Platz mit seiner Handkamera. [Jeder war mit seiner Arbeit beschäftigt, jeder wußte, hier wird Filmgeschichte geschrieben werden; keine Frage mehr nach dem Ob, nur noch über das Wann mußte sich geeinigt werden. Also kündigten alle Seminarteilnehmer kurzerhand ihre Jobs und beschäftigen sich derzeit fieberhaft mit der Umsetzung des Machwerkes. Geplanter Drehtermin: nächstes Jahr um etwa die gleiche Zeit.]
Stephan stellten sich keine Fragen, er überzeugte als gestrandeter Haudegen der Meere. Wo war eigentlich Timo? Er kümmerte sich bereits von der Hütte aus um die Boote für alle wichtigen Anlandungsszenen. [Timo wußte auch ohne Sichtung des Drehortes über alles Bescheid, es galt viel zu organisieren. Alle möglichen Leute mußten kontaktiert werden: Firmen für die obligatorischen Handwerksarbeiten, Setaufbau, catering, usw. Auch die Behörden wollen informiert sein. Das Drehgelände soll vor neugierigen Augen geschützt werden. Und und und. Ein Haufen Arbeit, der von ihm im Seminarraum in Angriff genommen wurde.]
Kulinarisch waren wir ebenfalls wieder in Höchstform. Gegrillte orientalische Hackfleischspieße und Forelle im Lauchbett setzen noch das I-Tüpfelchen auf die inoffizielle Tunhovd-Michellin-Liste drauf. [Macht eben hungrig, so eine Planung für ein Meisterwerk und der kann nur mit meisterhafter Nahrung gestillt werden.]
Cinematografisch zeigten wir einen großen Klassiker der Filmgeschichte, wo sich Männer mal so richtig verhauen – einfach so, oder weil die anderen es auch machen … wer weiß das schon genau. [“...I was the warm little center that the life of this world crowded around..." - O-Ton des Erzählers.]
Tag 5 – Scheiden tut (nicht) weh
[Zeitig aufstehen, frühstücken, Sachen packen, alles im Seminar-Mobil verstauen und ohne die übliche Säuberung (an dieser Stelle noch einmal besten Dank an Stephan, der noch einen Tag blieb) das Areal verlassen ... mit dem guten Gefühl, ein paar wunderbare Tage erlebt zu haben. To be continued ...]
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Phi Phi Inseln in Thailand im März 2008
Trust me, it’s paradise. This is where the hungry come to feed. For mine is a generation that circles the globe and searches for something we haven’t tried before. So never refuse an invitation, never resist the unfamiliar, never fail to be polite and never outstay the welcome. Just keep your mind open and suck in the experience…
besser kann man die Phi Phi Inseln in Thailand nicht beschreiben (Zitat aus dem Film “The Beach”). Die Inseln bestehen aus Phi Phi Don, dort wo der Hauptstrom der Touristen einfällt, sowie Phi Phi Lay. Auf letzterer kann man “Maya Bay” aka “The Beach” finden.
Mit dem Flieger von Bangkok nach Phuket, dann mit der Fähre nach Ton Sai Bay auf Phi Phi Don. Dort angekommen hat man zwei Möglichkeiten: entweder man sucht sich innerhalb der Touristenmeile ein Zimmer und genießt den ständigen Lärmpegel, oder man nimmt etwas Fussmarsch in Kauf und findet leicht ausserhalb paradisische Zustände. Tipp: rumd ums “Carpe Diem” versuchen.
Ein Trip zu den vielen Stränden ist empfehlenswert, ausser natürlich zur besagten “The Beach”, weil jeder dort hinfährt und deshalb der Ort eher an einen Rummel erinnert.
Neben den spektakulären täglichen Überwasserhighlights hat Phi Phi noch mehr zu bieten. Das Tauchen rund um die Inseln ist einzigartig. Eine Tauchschule zu finden ist kinderleicht, da sich die ca. 15 Anbieter auf ein Preisniveau geinigt haben.
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Moskau im Februar 2008
Vom 13.02. bis 18.02. besuchten wir Horsti in Moskau. Von Oslo flogen wir in 2.5 h nach Moskau-Domodedovo, 30 km südlich von Moskau-Stadt. Die Einreise gestaltet sich immer noch etwas schwierig: Einladung über das Internet bestellen, um damit ein Visum bei Botschaft zu erkaufen. Die ganze Willkür wird dabei offensichtlich, wenn es um die Bearbeitung der Visen geht; klar im Vorteil sind dabei die jenigen, welche keine Norweger oder Deutsche sind. Mein Arbeitskollege und Freund Taro (Schwede) musste nur 5 Arbeitstage warten, der Rest der Bande ganze 10 Arbeitstage. Eine Erklärung dazu gab es nicht. Vielleicht hat es damit etwas zu tun, dass Russland und Schweden eine gemeinsame Grenze haben; eigentlich nicht, oder?
Mit dem Bus ging es dann zur Metro Station Domodedovo. Auf dem Weg dahin versuchte ich mich an meine verschollenen Russischkentnisse zu erinnern. Vorbeiziehende Werbeplakate halfen ein wenig Ordnung in das Buchstabenchaos zu bekommen. Meine ganze Hilflosigkeit wurde aber am Ticketschalter der Metro offensichtlich. Die gute Dame hinter der Glasscheibe sprach – natürlich – kein Englisch und hatte auch eigentlich keine Lust zu arbeiten. Es gelang mir dann doch 4 Tickets zu kaufen für einen lächerlichen Preis von 2 EUR. Die Benutzung der Metro ist, so finde ich, immer noch ein Highlight in Moskau; eigentlich mehr das Eintreten und sich Aufhalten innerhalb der Metrostationen. Ich könnte schwören, dass in ein paar Jahren die ersten Untergrund-Parties in 50 m Tiefe veranstaltet werden. Die Lokationen sind einfach geeignet dafür und wer kann es sich nicht vorstellen, unter einem Mosaik aus glücklichen Sozialisten zu hämmernden Bässen zu tanzen, und später in die Metro zu steigen, um nach Hause zu fahren…
Das Wetter zu dieser Zeit war doch recht frostig mit Temperaturen bis unter -15°C. Kompensiert wurde das ganze aber durch täglichen Sonnenschein – herrlich. Moskau ist eine Stadt, welche Bewegung verlangt; motorisiert oder zu Fuss -Stillstand gibt es de facto nicht. Dieser Maxime folgend, legten wir tagtäglich Fusswege bis zu 10 km zurück. Taxi gefällig? Ja, nee…die meiste Zeit, ausser spät abends, geht auf den Strassen rein gar nichts. Bewegungen werden staulich begrenzt, nur das Hupen der genervten (oder auch nicht?) Autofahrer zeugt von der stetigen Unruhe auf den Strassen. Also doch Stillstand? Nee, denn Unruhe ist angespannte, noch nicht entfesselte, Bewegung.
Fast schon obligatorisch erscheint der Besuch des Roten Platzes, des Kremls und der Sperlingsberge. Gerade letztere sind ein herrlicher Platz, um einen Gesamteindruck von Moskau durch die Linse aufzunehmen. Im Vordergrund ist das Fussballstadion zu sehen. Im Hintergrund (nicht zu sehen) werden Hochzeitsgesellschaften aufgefahren, damit die Paare vor Moskaus Kulisse stilgerecht in Szene gesetzt werden können.
Bedingt durch die eisigen Temperaturen, genossen wir natürlich die Kaffeehauskultur(en), welche es en masse in Moskau gibt. Neben den üblichen Verdächtigen, welche in allen westlichen Kulturkreisen zu finden sind, gibt es auch einheimische, mit viel Charme/Kitsch oder wahlweise Protz, aufgelegte kleine Lokalitäten. Mit ganz wenigen Ausnahmen wird aber überall geraucht, als wenn es kein Morgen geben würde. Die russische Seele neigt hier wieder zum Extremkonsum, nach dem Motto: immer zweimal mehr wie mein Nachbar.
Wie sieht es mit Essen, Trinken und Feiern aus? Unzweifelhaft lohnt es auch deshalb nach Moskau zu fahren. Die post-sowjetische Küche ist genauso gut wie die sowjetische Küche – Vielfallt en masse; eben, warum sollte sich daran etwas geändert haben. Empfehlenswert ist der der Besuch eines ukrainischen Restaurants. Die Kellner haben fast alle Vokuhila (Eishockeyspieler) Frisuren, die Kellnerinnen sehen toll aus und tragen ausnahmslos Blumengedecke im Haar sowie bäuerliche Kleidungen. Das macht schon etwas her. Nachdem wir den Tisch mit Speisen gefüllt hatten, wurden uns 2 Strohhüte gereicht, eine 5 l Flasche Wodka (mit darin eingelegten Knoblauch) auf den Tisch gestellt, und ein netter Vokuhilamann forderte uns auf zu lächeln; so werden Gruppenfotos gemacht, die später an eine glückliche Kundschaft erinnern. Nett, oder…?
Einkaufen? Tempel, Festungen mit Essen? Seht selbst.
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